Über lederlotta von Anna Lewis

Mehr als nur Leder. Eine Geschichte über Wurzeln, Mut und Familie.

Anna Lewis von Lederlotta beim Punzieren von Leder mit dem Kurvenmesser. Schwarz-Weiß Porträt einer Handwerkerin am Arbeitstisch. Lederlotta Anna Lewis

Hi, ich bin Anna – und ohne dieses eine Stück Leder gäbe es mich wahrscheinlich gar nicht!

So richtig ist mir das selbst erst nach der Gründung von Lederlotta klar geworden, aber Leder bestimmt mein Leben schon viel länger, als man denken könnte.  Lederlotta ist meine Art, Lederhandwerk mit meiner lebenslangen Liebe zum Zeichnen zu verbinden – und eine Familientradition fortzuführen, die schon bei meinen Eltern begann.

Leder in der Familie

Es gibt da eine kleine Familien-Anekdote, die den Grundstein legte, lange bevor es mich gab. Mein Vater war in jungen Jahren ein echter Freigeist, der von Deutschland nach Österreich ausgewandert war. Um sich über Wasser zu halten, begann er, aus Lederresten kleine Täschchen zu fertigen.

 

Meine Mutter hatte damals ganz spontan ein Geschäft eröffnet und brauchte Ware. Sie fragte bei meinem Vater an, und obwohl der gerade keine Täschchen parat hatte, bot er ihr an, bei der Einrichtung des Ladens zu helfen. Daraus entstand nicht nur ihr Laden, sondern eine lebenslange Liebe.


Das Geschäft gab es dagegen nicht so lange und meine Mama fand ihre eigentliche Berufung als Lehrerin. Aber zuhause zeigte sie mir oft, wie Dinge funktionieren. Ich erinnere mich an unzählige gemeinsame Häkel-, Bastel- und Nähstunden. Dadurch entstand, als ich etwa 10 Jahre alt war, ein Täschchen, das ich heute noch besitze: etwas „wild“ von Hand genäht. Und woraus? Genau, aus Naturleder! Damals wusste ich noch nicht, wie man es „richtig“ macht, aber der Funke war schon da. Er schlummerte nur eine Weile.

Kleine, handgenähte Ledertasche, die an einer weißen Wand neben alten Familienfotos hängt. Das erste Werkstück von Anna (Lederlotta) aus ihrer Kindheit. Lederlotta Anna Lewis

Ein Ticket nach Sydney und der Zufall, der alles ins Rollen brachte

Wir springen ins Jahr 2010. Ich lebte seit zwei Jahren mit meinem Mann in Sydney, Australien. Auf der berühmten „Royal Easter Show“ sah ich sie zum ersten Mal in Perfektion: handgefertigte Ledersättel im Sheridan-Stil. Ich war wie verzaubert.

 

Durch diesen glücklichen Zufall entdeckte ich den Stand der „Leather Guild NSW“ – einer Gruppe alter Meister ihres Fachs. Dort hing ein kleiner Zettel: Beginner Workshop. Ich meldete mich an.

„Ich wollte nie einfach nur Bilder für die Wand malen“

Nahaufnahme (Makro) eines Swivel Knife Kurvenmessers beim präzisen Einschneiden eines Motivs in pflanzlich gegerbtes Leder. Lederlotta Anna Lewis

Der Workshop war intensiv. Wir lernten Nähen, Flechten und Theorie. Doch als ich das erste Mal das Kurvenmesser (Swivel Knife) ansetzte, passierte etwas Magisches. Es war „Liebe auf den ersten Schnitt“.

 

Das Zeichnen hat mich mein Leben lang begleitet – es hat mir buchstäblich den Weg gewiesen. Schon als Fünfjährige kritzelte ich nicht einfach nur Strichmännchen, zwischen Wiesen- und Himmelsstreifen, sondern ich zeichnete Wege und Häuser in Perspektive mit richtigem Horizont. Dass ich später Kunstschulen besuchen würde (BRG Viktring und HTBLA Ortwein), war für mich so selbstverständlich wie das Atmen.

 

Einmal sagte jemand zu mir: „Du wirst bestimmt mal Künstlerin.“ Aber das konnte ich mir tatsächlich gar nicht vorstellen. Ich dachte dabei an Werke für die Wand, die man nur anschauen darf. Aber ich wollte gestalten, bauen, anfassen und praktische Lebensräume oder Dinge erschaffen, die gleichzeitig ästhetisch sind.

Schon als Kind habe ich mein Puppenhaus komplett eingerichtet, Möbel gebastelt und Räume gestaltet. Später fiel mir Interior Design leicht, weil ich dieses räumliche Denken einfach in mir hatte und es liebte, dreidimensional am Computer zu zeichnen. 14 Jahre arbeitete ich in diesem Beruf. (Was mir in der Schule ebenfalls gefiel, war Keramik – aber auf Dauer war es mir zu „nass“, damit zu arbeiten).

 

Und dann entdeckte ich durch den Workshop in Sydney das Leder. Allen voran: das Naturleder. Ein unglaublich vielseitiges Material. Es fühlt sich für mich an wie ein Zwischending aus Holz und Ton. Es hat die Stabilität, die Wärme und die Struktur von Holz, lässt sich aber nass formen, modellieren und prägen wie weicher Ton.

 

Beim Punzieren kommt nun alles zusammen. Es vereint die Kunst des Zeichnens und den Wunsch, praktische, ehrliche Stücke zu fertigen. Ich zeichne nicht mehr auf Papier – ich zeichne erhaben auf einem Material, das durch seine einzigartige Patina Teil deines Lebens wird. Aber sogar meine Liebe zur Technik findet Platz: Denn die Entwürfe für eure individuellen Anfragen entstehen oft am Grafiktablett und am Computer

Vom stillen Hobby zur Berufung

Zurück in Österreich blieb das Leder erst mein Hobby. 2017, als mein Sohn ein Jahr alt war, meldete ich „Lederlotta“ offiziell als Nebengewerbe an. Aber so richtig los ging es erst etwas später.

 

Als meine Tochter auf der Welt war und etwa ein halbes Jahr alt, begann ich, meine Arbeiten wirklich zu zeigen – auf Instagram, nach außen. Lederlotta wuchs buchstäblich „mittendrin“ – mal abends, wenn das Haus ruhig war, mal mit dem Baby im Tragetuch auf dem Rücken, während ich an der Werkbank stand.

 

Erst mit der Zeit formte sich der Wunsch nach Freiheit. Ich wollte nicht nur „nebenbei“ arbeiten, sondern selbstbestimmt für meine Kinder da sein – ohne Stress. Aus dem Hobby wurde 2021 also wirklich mein Beruf.

Ein Kleinkind im Hintergrund eines hellen Arbeitstisches mit Lederprodukten, Packpapier und einer alten Handwerksschere bei Lederlotta. Lederlotta Anna Lewis
Ein Kleinkind im Hintergrund eines hellen Arbeitstisches mit Lederprodukten, Packpapier und einer alten Handwerksschere bei Lederlotta. Lederlotta Anna Lewis

Warum ich auf Chemie verzichte (Entscheidung einer Mama)

Meine Kinder waren es auch, die meine wichtigste Qualitäts-Entscheidung beeinflusst haben. In den Anfangszeiten habe ich noch mit Lederfarben und Finishes experimentiert. Doch als einmal eine Flasche dunkelbraune Farbe am Kieferboden landete – und ich bemerkte, dass meine Mutter-Kind-Pass-Hüllen von den Kleinen gerne mal als „Zahnungshilfen“ angeknabbert wurden – war der Fall klar.

 

Seit diesem Tag gibt es bei mir keine Chemie mehr. Ich arbeite ausschließlich mit naturbelassenem, pflanzlich gegerbtem Leder. Auch die anderen Materialien – wie Gummibänder, Finish oder Nähte – bestehen aus reinen Naturmaterialien, ohne Chemie und ohne Plastik. Was nicht sicher genug für meine eigenen Kinder ist, ist auch nicht gut genug für dich.

Was das für dich bedeutet

Heute ist Lederlotta mein Weg, meine Liebe zu Design, Handwerk und meiner Familiengeschichte zu vereinen. Jedes Stück, das meine Werkstatt verlässt, ist keine Massenware. Es ist ein Stück Zeit, ein Stück Kunst und eine große Portion Leidenschaft.

 

Wenn du dein Paket öffnest und den Duft von echtem Leder riechst, hoffe ich, dass du genau das spürst.

 

Schön, dass du hier bist! Deine Anna

Bildnachweis: 

Ein herzliches Dankeschön an Ursula Leopold für die zwei wundervollen Profi-Aufnahmen (Porträt & Nahaufnahme Kurvenmesser). 

Alle weiteren Fotos auf dieser Seite sind von mir persönlich.